Begriffe der Prozessvalidierung
für Medizinprodukte (Definitionen)

Einführung

Die Begriffslandschaft rund um die Validierung von Herstellungsprozessen in der Medizintechnik ist vielfältig. In diesem Artikel werden Sie die Definition der wichtigsten Begriffe kennenlernen. Auch werden Sie in dieser Übersicht einige Begriffe kennenlernen, die nicht zur Prozessvalidierung für Medizinprodukte gehören. Dadurch werden Sie in der Lage sein zu erkennen, wenn Sie versehentlich Informationen aus anderen Branchen oder veraltete Informationen vor sich haben.

Die vorgestellten Definitionen sind meine eigenen Synthesen aus den verschiedenen Anforderungsquellen. Ich habe darauf geachtet, dass sämtliche zwingende Anforderungen enthalten sind. Sollten Sie Originaldefinitionen suchen, so finden Sie diese insbesondere in 21CFR820.75, 21 CFR820.70(g), EN ISO 13485 – 7.5.6, ZLG 3.9 B 18 und der GHTF Process Validation Guidance. Nicht zu vergessen natürlich 21 CFR 820.3.

Prozessvalidierung Begriffe Defitionen Zusammenhänge IQ OQ PQ

Wichtige Begriffe der Prozessvalidierung für Medizinprodukte

Prozessvalidierung

Prozessvalidierung ist, auf einem wissenschaftlichen Niveau zu beweisen, dass die Produkte bezüglich der validierten Prozesse oder Eigenschaften immer spezifikationsgerecht sein werden.

Eine Prozessvalidierung umfasst üblicherweise die Elemente Installation Qualification (IQ), Operational Qualification (OQ) und Performance Qualification (PQ).

 

Anmerkung: Diese Definition wurde in dem Artikel Definition der Prozessvalidierung erarbeitet.

Prozessvalidierungs-System

Das Prozessvalidierungs-System ist das Zusammenwirken der verschiedenen Elemente der Prozessvalidierung. Insbesondere der Validierungsmasterplan, die Equipmentqualifizierung, die Installation Qualification (IQ), Operational Qualification (OQ) und Performance Qualification (PQ) der einzelnen Prozessvalidierungen, das Berichtswesen zur Prozessvalidierung, die Bedingungen, wann Revalidierungen ausgelöst werden, das Zusammenspiel mit der Softwarevalidierung und idealerweise mit der Testmethodenvalidierung (TMV). Ferner sollte der Übergang zum Risikomanagement, dem Konstruktionsreifegrad und dem Change Management definiert sein.

Installation Qualification (IQ)

Die Installation Qualification (IQ) einer Prozessvalidierung stellt sicher, dass alles für den Prozess verwendete Equipment über eine erfolgreiche Equipmentqualifizierung verfügt. Ferner stellt die Installation Qualification sicher, dass benötigte Software für den Prozess über eine erfolgreiche Softwarevalidierung verfügt.

Operational Qualification (OQ)

Die Operational Qualification (OQ) dient dazu aufzuzeigen, dass der zu validierende Prozess auch unter den nachteiligsten anzunehmenden Bedingungen (Worst Cases) noch ein spezifikationskonformes Ergebnis liefert. Es handelt sich also um einen Stresstest des Prozesses.

Performance Qualification (PQ)

Die Performance Qualification (PQ) dient der Beurteilung der Stabilität des Prozesses bei Einwirkungen natürlicher Schwankungen in den Einflussgrößen. Hierzu ist eine gegenüber der Operational Qualification (OQ) gesteigerte Dauer der Produktionsläufe und der Varianz an z.B. Prozessausrüstung, Mitarbeitern und Eingangsmaterialien notwendig.

Validierungsmasterplan

Für den Validierungsmasterplan existiert keine einheitliche Definition oder Anforderung. In der Praxis wird er jedoch erwartet. Der Validierungsmasterplan kann dafür genutzt werden, anstehende Prozessvalidierungen in einem Werk oder für eine Produkteinführung aufzulisten und nachzuverfolgen. Er sollte auch wiederkehrende Prozessvalidierungen (insbesondere Sterilisation und Sterilverpacken) berücksichtigen.

Validierungsplan

Der Validierungsplan ist ein Dokument, dass das Vorgehen und die Akzeptanzkriterien für die Prozessvalidierung enthält. Er muss vor Beginn der Prozessvalidierung freigegeben sein. Die Überlegungen im Validierungsplan zu den Elementen IQ, OQ und PQ sollten nachvollziehbar und wissenschaftlich valide sein.

Equipment Qualifizierung

Die Equipmentqualifizierung stellt minimal sicher, dass das Equipment

korrekt installiert ist,

    • gewartet ist & über einen Wartungsplan verfügt
    • das Equipment ausreichend gut zu reinigen ist (falls relevant)
    • die Aufstellung des Equipments seine Verwendung inklusive Justage zulässt
    • kalibrierpflichtige Equipmentteile kalibriert sind und
    • das Equipment den technischen Anforderungen des Betreibers entspricht.

 

Die Minimalanforderungen ergeben sich aus 21CFR820.70(g). Darüber hinaus kann es sinnvoll sein zu prüfen, ob

    • Anweisungen für den Betrieb des Equipments vorliegen,
    • Software auf dem Equipment oder in dessen Zusammenhang validiert ist,
    • das Equipment sicher im Sinne des Arbeitsschutzes ist,
    • Pläne vorliegen, wie bei Equipmentstörungen zu verfahren ist.

 

Anmerkung: Die Equipmentqualifizierung ist streng genommen nicht Teil der Prozessvalidierung selber. Dies lässt sich anhand der 21CFR820 (QSR) leicht erkennen. Während die Prozessvalidierung sich in 21CFR820.75 findet, findet sich die Qualifizierung von Equipment in 21CFR820.70(g).

Softwarevalidierung

Die Softwarevalidierung zeigt auf, dass die Software die Anforderungen des Verwenders in Bezug auf die Produktion oder das Quaitätssystem erfüllt.

 

Die Softwarevalidierung ist nicht Teil der Prozessvalidierung selber. Weil sie aber im Rahmen der Installation Qualification (IQ) der Prozessvalidierung eine Rolle spielt und ebenso wichtig für die Equipmentqualifizierung ist, sei sie hier erwähnt. Wie bei der Equipmentqualifizierung lässt sich bereits an der Stellung der Softwarevalidierung in 21CFR820.70(i) erkennen, dass die nicht Bestandteil der Prozessvalidierung im engeren Sinne ist.

 

PPQ (Process Performance Qualification)

Dieser Ausdruck findet sich der Process Validation Guidance (2011) der FDA für Pharmazeutika. Ebenso ist er in der Prozessvalidierungs-Guidance der FDA von 1987 enthalten. Letztere wurde für die FDA von der Process Validation Guidance der GHTF abgelöst.

Wenn Sie diesen Ausdruck vorfinden, seien Sie besser sehr vorsichtig mit der Quelle. Wahrscheinlich ist sie veraltet oder für die falschen Produkte!

Design Qualification (DQ)

In der Medizintechnik nicht übliches Element. Die Design Qualification ist in der Pharmaindustrie üblich. Im Grunde handelt es sich um einen Abgleich des Pflichtenhefts mit dem Lastenheft eines Equipments. Die Betonung dieses Elementes in der Pharmaindustrie stammt aus der Komplexität von Instrumentierung und Verrohrung in Anlagen der Verfahrenstechnik. Eventuelle Unzulänglichkeiten in dieser Phase können dort später nur schwer behoben werden.

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Leohard Blaurock - Trainer Prozessvalidierung IQOQPQ Risikomanagement Design Controls CAPA

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